Das Programm “Jovens empreendedores” hat in der zweiten Augustwoche 2020 gestartet. Sechs Jugendliche und ehemalige SchülerInnen der AFA werden während 10 Monaten eine kleine Lehre bei einem lokalen Gewerbe durchlaufen.

Lukas übt sich als Telefontechniker
Helena macht ihre Lehre in der Maniküre und Pediküre

Von Montag bis Donnerstag verbringen sie jeweils halbtags im Betrieb. Immer am Freitag treffen sie sich mit der Projektleiterin Thuane in den Räumlichkeiten der AFA. Sie besprechen zusammen die Woche, die erreichten Fortschritte und arbeiten an ihrer Lerndokumentation.

Thuane, welche nebenbei die reguläre Klasse der Jugendlichen betreut, kümmert sich nicht nur um die Lehrlinge, sondern auch um die Unternehmer bzw. die Lehrmeister. Für die Erwachsenen ist es das erste Mal, dass sie eine Person so systematisch ausbilden. Thuane begleitet sie deshalb als Pädagogin sehr eng in ihrer neuen Rolle.

Sowohl die Lehrmeister wie auch die Lehrlinge erhalten eine kleine Entschädigung. 400 Reais monatlich für die Lehrmeister und 200 Reais für die Jugendlichen. Das schafft einen wichtigen Anreiz und gibt der geleisteten Arbeit einen Wert. Da es im ersten Monat zu zwei Abgängen bei den Jugendlichen und einem Wechsel bei den Unternehmern gekommen ist, hat die Schulleiterin die Verträge angepasst: Wird von einer Seite ohne überzeugender Grund das Projekt abgebrochen, muss das bereits erhaltene Geld zurückgezahlt werden.

Das Projekt wird von der Schweizer Botschaft in Brasilien finanziert. 45’000 Reais hat die Botschaft dafür genehmigt. Die erste Tranche von 20’000 wurde bereits im Mai überwiesen. Die zweite Zahlung kommt im Dezember nach der Einreichung eines Zwischenberichts. Die initiale Finanzierung durch die Botschaft ist eine grosse Chance für die AFA, welche das Ziel verfolgt, sich stärker für die Jugendlichen im Quartier einzusetzen. Die Jugendlichen sind die am stärksten gefährdete Altersgruppe. Die hormonelle Entwicklung führt oft zu einer Abgrenzung von den Eltern / Betreuungspersonen und der Suche nach neuen Bekanntschaften. Es wird schwieriger sie zu beschützen und gleichzeitig treten sie aus dem Schulalltag aus. Es beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Sie müssen sich eine Beschäftigung suchen und ihr eigenes Geld verdienen. Leider ist sehr schwierig zu einem richtigen Job zu kommen, wenn man aus dieser Gegend stammt und “nur” eine öffentliche Schulbildung vorweisen kann. Nicht selten geraten Jugendliche deshalb auf eine falsche Bahn und involvieren sich mit Drogen und im Falle der Mädchen kommt es oft zu ungewollten Schwangerschaften.

Milena ist als Bäckerslehrling beim Bäckermeister William

Mit dieser Kurzlehre bei einem Unternehmer aus der Nachbarschaft soll den Jugendlichen einerseits eine Ausbildung ermöglicht werden. Da Brasilien für diese Berufe keine Lehre kennt und niemand ein offizielles Zertifikat dafür besitzt, wollen wir nach dem Abschluss des Projekts genau evaluieren, wie viel Wert diese Ausbildung auf dem Markt hat. Andererseits sollen die Jugendlichen von den Erfahrungen ihres Lehrmeisters/ Lehrmeisterin als Unternehmer/in profitieren: Was braucht es, um sich ein eigenes Standbein aufzubauen? Wie führt man einen eigenes Gewerbe? Wie erreicht und betreut man die Kunden? Wie ist man erfolgreich?

Estefany ist ebenfalls in einer Bäckerei
Renan ist Lehrling des Metallarbeiters Amauri
João ist Lehrling in einer Möbelwerkstatt

Kann das Projekt “Joven empreendedores” erfolgreich zu Ende gebracht werden, wird unser Verein alles daran geben, um eine Weiterführung zu garantieren. Das wurde auch bereits der Schweizer Botschaft gegenüber so kommuniziert.

Sitzung in der AFA mit den Lehrlingen und den Lehrmeistern